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Ausflug in die „brave Biedermeier-Zeit“
Peter Pikl und Johannes Pillinger begeisterten mit „Keine
Zeit für Helden“
Mitterfelden. Der Kulturverein der Gemeinde Ainring und die
“Freunde des Salzburger Landestheaters e.V.“ machten es möglich, dass in der
Aula der neuen Grundschule in Mitterfelden ein wenig Theateratmosphäre
geschaffen wurde. In spritziger, schauspielerisch ansprechender Weise
präsentierte der Schauspieler Peter Pikl die literarischen Vertreter des
Biedermeier: Johann N. Nestroy und Ferdinand
Raimund. Auf dem Klavier in einfühlsamer
wie auch temperamentvoller Weise von Johannes Pillinger begleitet, wurden dem
begeisterten Publikum Couplets, Monologe sowie Lieder aus dieser Zeit
dargeboten.
Gabriele Noreisch, Vorsitzende des Kulturvereins der
Gemeinde Ainring e. V., freute sich bei ihrer Begrüßung über das Interesse an
dieser ersten literarischen Gemeinschaftsveranstaltung. Über den Kontakt zu
Alfred Koppitz, dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde des Salzburger
Landestheaters, konnte dieser in allen Phasen gelungener Abend realisiert
werden.
Alfred Koppitz stellte die Künstler vor. Peter Pikl, der
bekannte Schauspieler des Salzburger
Landestheaters kam nach anfänglichem Studium der Philosophie und
Germanistik zur Schauspielkunst und vertiefte
diese Begabung am Mozarteum. Auf Engagements in Wien und Klagenfurt sowie an
vielen Theatern in Deutschland, folgten Verträge mit den Ruhrfestspielen
Recklinghausen und unzähligen Tourneen sowie Auftritte bei Film und Fernsehen.
Seit 1986 ist er Mitglied des Ensembles des Landestheaters Salzburg. Peter Pikl
überzeugt auch als Regisseur für Oper und Operetten, aber auch für Kabarett.
Seit 1996 ist er Intendant der Komödienspiele Porcia.
Am Klavier begleitet wurde Peter Pikl von dem Musiktalent
Johannes Pillinger. Er studierte am Mozarteum Komposition und Gesang. Seit zwei
Jahrzehnten komponiert der Salzburger
Bühnenmusiken. Dazu gehören Vertonungen von Kabarett-Programmen oder
Chanson-Abenden, aber auch neue Musik-Projekte, wie z.B. die Bearbeitung von
Mozart-Kompositionen. Eine anspruchsvolle Mischung aus Klassik, Jazz und
Hip-Hop, die er in New Orleans bereits mit großem Erfolg vorstellen konnte.
Verschmitzt, gewitzt, treffend und gekonnt musikalisch
akzentuiert zeigten die beiden Künstler dem begeisterten Publikum das
Spiegelbild der Biedermeierzeit (1815 bis 1848). Die Texte und Lieder der
österreichischen Dichter und Schauspieler Ferdinand Raimund und Johannes N.
Nepomuk beleuchten diese Zeit des gutmütigen Spießbürgers aus verschiedenen
Blickwinkeln. Im ersten Teil des Programms wurde die Bürgerliche Gesellschaft
betrachtet – die Herren und ihre Dienerschaft. Peter Pikl versetzte sich
mimisch und stimmlich überzeugend in die Rolle des Dieners ebenso wie in die
des Herren.
Johann Nepomuk Nestroy revoltierte auf seine Weise gegen die
Obrigkeit. Er persifliert den Zeitgeist des Biedermeier mit entlarvendem Spott
und satirischem Wortwitz, wie im Auftrittslied im Monolog des Ultra „Freiheit
in Krähwinkel“ oder wie es im „Brief aus dem Gefängnis“ deutlich zum Ausdruck
kommt. Dagegen zeigte ein kurzer Abstecher zu Heinrich Heine - „Und scheint die Sonne noch so schön, am Ende
muss sie untergehen“ - die Treue zum Absolutismus, die Heldenverehrung und die
Huldigung des Kaiserhauses.
Wie unterschiedlich die Biedermeierzeit gesehen wurde,
machte der Vergleich mit dem Wiener Dramatiker und Schauspieler Ferdinand
Raimund deutlich. „Begegnung mit einem Wachorgan und Tod des Biedermeier“ oder
„Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ lassen den vollen melancholischem Humor
und die Verherrlichung des ethischen Ideals erkennen. Mit weinerlicher
Weichheit will Raimund den Menschen Freude malen. Dagegen wurde Netroys
beißender Spott in der hervorragenden künstlerischen Darbietung von Peter Pikl
und Johannes Pillinger im Couplet und Monolog des Knieriem „Der böse Geist des
Lumpazivagabundus“ dargeboten.
Nach einer kurzen Pause widmeten sich die Künstler den
zwischenmenschlichen Beziehungen, die vom Urbild für Moral und den damit
verbundenen strengen Regeln geprägt waren. Von Ferdinand Raimund ertönt ein Lob
auf die biedermeierlichen Tugenden. Im Jagdlied des Valentin „Der Verschwender“
oder im Aschenlied des Fortunatus Wurzel „Der Bauer als Millionär“ stellte der
Interpret diese Moral gekonnt in Szene.
Ganz anders klingen Nestroys Erkenntnisse über die Ehe.
Peter Pikl trug mit verschmitzter Hintergründigkeit diese spottende Version der
Moralvorstellungen vor. So bezeichnet Nestroy z.B. die Ehe als wechselseitige
Lebensverbitterungsanstalt. Er ist der Meinung, dass ein Verheirateter tiefer
seufzt als ein Lediger und weiß zu berichten, dass Ehen im Himmel geschlossen
werden und sie deshalb himmlische Geduld erfordern. Die Gedanken übers Heiraten
„Meine Frau dieser Engel...“, „Das Mädel aus der Vorstadt“ oder der Auftritt des Herrn von Lips „Der
Zerissene“ verdeutlichten diese Grundeinstellung.
Peter Pikl und Johannes Pillinger begeisterten das Publikum
und beendeten mit der Zugabe des Couplet des Lorenz aus „Der verhängnisvollen
Faschingsnacht“: „...und ’s is alles nit wahr!“ ihre phantastische Darbietung.
Die Veranstalter bedankten sich bei den Künstlern und waren sich einig, dass
dieser gelungene Abend nicht die letzte gemeinsame Veranstaltung gewesen ist.
GN
Peter Pickl |
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