Moldawien - das unbekannte Eck Europas
liegt zwischen dem majestätisch dahinfließendem Dnestr und dem Prut, nordöstlich
von Rumänien. Ein kleines Land mit einer maximalen Ost-West-Breite von 150 km und
einer maximalen Entfernung von Nord nach Süd von 350 km.
Die Umrisse des Landes erinnern an eine Weintraube, ein Zufall, der
doch für die Menschen dort einen tieferen Sinn hat: Moldawien, ein Land mit über 250.000
Hektar Weingärten, ist wegen der vorzüglichen Weine berühmt; ein Land bald
flach, bald hügelig. Im Norden umgibt die Beltzsteppe, im Süden die Budshaksteppe die
dichten Kodruwälder im zentralen Teil, die vielen Weingärten, Mais- und Weizenfelder bei
einem milden, warmen und mäßig kontinentalen Klima.
Die Hauptstadt Chisinau - das Wort heißt im Moldauischen
"Quelle" und wird erstmalig 1466 in einer Urkunde des Fürsten Stephan des
Großen, dem legendären Herrscher, "Stephan cel Mare (1457 - 1504) erwähnt.
200 Jahre ein kleines Dorf entwickelte sich Chisinau im 18. Jahrhundert durch Handel und
Handwerk bald zu einer Stadt. 1818 wurde sie von der Zarenregierung zum Verwaltungszentrum
des bessarabischen Gouvernements gemacht. Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts
wirkte hier die "Südgesellschaft' der Dekabristen, und am 21. September 1820
kam der große russische Dichter Alexander Puschkin hier an, der 1820 bis 1823 hier
lebte und wirkte und sich auch politisch sehr engagierte.
Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution wurde am 1. Jänner 1918 in
Bessarabien die Sowjetmacht verkündet, doch das Land verblieb beim königlichen
Rumänien. Am 28. Juni 1940 wurde Moldawien in die Sowjetunion eingegliedert. Im
Juni 1941 von den Faschisten Deutschlands besetzt, erlebte das Land eine der schwersten
Zeiten. Eine der größten Schlachten des Großen Vaterländischen Krieges fand im August
1944 bei Jasi und Chisinau statt, die das Ausscheiden des königlichen Rumäniens aus dem
Krieg zur Folge hatte.
Jetzt leben etwa 4,8 Millionen Menschen, ein buntes
Völkergemisch von Moldawien, Russen, Ukrainern, Gagausen, Juden und vielen anderen
Völkern hier.
Seit dem 31. August 1991 gehört Moldawien als souveräner Staat zur
GUS.
Eine Volksabstimmung am 6. März 1994 ergab, daß die von vielen
erwünschte Rückführung und Angliederung des zumeist rumänisch sprechenden Volkes doch
nicht erfolgt.
Die letzten 70 Jahre und das Ende dieser Ära ging auch an Moldawien
nicht spurlos vorbei, und so ist jetzt auch die wirtschaftliche Lage und der
Überlebenskampf wie in so vielen Ländern des ehemals kommunistischen Imperiums äußerst
schwierig. Vieles mutet an, als wäre die Zeit in einem anderen Jahrhundert stehen
geblieben. Amerika unterstützt jetzt finanziell den Straßenbau des Landes - ein
Hoffnungsstrahl für die Zukunft - ein Weg zum Westen ?
Doch der reiche, schier unerschöpfliche Schatz des Kulturgutes dieses
Volkes lebt weiter, trotz aller momentanen Schwierigkeiten. So stammt von hier die in Wien
leider viel zu früh verstorbene weltberühmte Opernsängerin Maria Cebotari ab,
wie auch der bekannte Pianist Oleg Maisenberg - ein Studienkollege der Brüder Iovu
- oder auch die Opemdiva Maria Bijeschu, die noch hier lebt.
Kunst und Musik, insbesondere aber die Volksmusik, haben hier einen
hohen Stellenwert mit den wunderbaren "DOINA" Volksmelodien, den feurigen
Tänzen Syrba, Hora, Shok und den Liedern - melancholisch, schwermütig, aber auch
fröhlich und voller Lebenskraft - ein Spiegel der Seele der Menschen dieses Landes, eines
Stückchen Erde Europas, das nicht vergessen werden soll, und das sich hier präsentieren
will.
|