Mehr als
musikalische Hausaufgaben
Ursula
Pompernigg und Patricia Breitbarth beeindrucken mit eigenen Kompositionen
Selten haben junge Musikkünstler die
Gelegenheit, ihr Können in größerem Rahmen einem breiten Publikum vorzustellen.
Auch Patricia Breitbarth und Ursula Pompernigg, beide Studentinnen am Mozarteum
in Salzburg, kennen das Image, das ihre Vorträge meist als etwas bessere
Schulübungen abstempelt. Bei ihrem Konzert im Kurstift Mozart gelang es ihnen jedoch,
das Vorurteil der musikalischen „Hausaufgaben“ zu entstauben. Sie beeindruckten
das zahlreiche Publikum mit abwechslungsreichem und hervorragendem
musikalischen Können und vor allem brillanten eigenen Kompositionen. Der
Kulturverein Ainring hatte das Maikonzert organisiert.
Einleitend wurden die Komponisten und die
vorgetragenen Stücke quer durch alle Epochen und Stilrichtungen von Maitè
Schmidt vorgestellt, die auch die Bühnenbilder schuf. Den Anfang machten
Präludium und Fuge Nr. 14 aus J. S. Bachs „Wohltemperierten Klavier“. Patricia
Breitbarth verstand es vorzüglich, sowohl dem Wechsel zwischen Bewegung und
Ruhe in Brahms’ „Fantasien“ als auch der verspielten Poesie aus Debussys
Prelude „Les collines d’Anacapri“ musikalischen Ausdruck zu verleihen.
Beethovens Sonaten gelten als Prüfstein
jedes Pianisten. Das Allegro und das Scherzo, das ein für das Klavier besonders
origineller Satz ist, verlangten von Patricia Breitbarth alle Akkuratesse. Mit
Konzentration aber auch gewisser professioneller Gelassenheit gelang es ihr,
dem Elan der Sonate Klang zu verleihen. Den Abschluss des klassischen Teils des
Konzertes bildeten Auszüge aus den „Préludes pour le piano“ von Frank Martin
und die Etude op. 25 Nr.3 von Fréderic Chopin, die Patricias Leidenschaft für
ihre „erste ganz große musikalische Liebe“ durchblicken ließ.
Die musikalische Leistung, solch
anspruchsvolle Stücke interpretieren zu können, war beachtenswert. Doch
faszinierend war, was die Zuhörer im zweiten Teil des Abends zu hören bekamen.
Mehr als nur musikalische Hausaufgaben waren die eigenen Kompositionen der
beiden jungen Künstlerinnen, mit denen sie ihre Zuhörer in ihren Bann zogen.
Ursula Pompernigg und Patricia Breitbarth fanden den Mut das vorzutragen, was
sie im stillen Kämmerchen „im Schweiße unseres Angesichts, bei Temperaturen
über 40 Grad und Automaten – Kakao mit extra Creme zu 6 Schilling“ selbst komponiert,
getextet und arrangiert hatten.
„As yet untitled“ („Noch ohne Titel“) ist
ein musikalisches Mosaik, voller Abwechslung und Vielfalt, in dem Patricia
Breitbarth je nach Lust und Laune ihre Stimmungen verarbeitet. Als Stück
zwischen Komposition und ständiger Improvisation ist es nicht schriftlich festgehalten,
sondern entseht stets von Neuem.
Wohl niemand hätte erwartet, welch
sagenhafte Stimme in Ursula Pompernigg steckt, als die zierliche junge Dame mit
ihrer Gitarre die Bühne betrat. Perfektes Zusammenspiel, tiefgründige, teils
nachdenklich verträumte Texte und diese starke, ergreifend sinnliche Stimme
zogen die Zuhörer in ihren Bann und sorgen bei so manchem im Saal für
Gänsehaut. Unverkennbar war, dass die beiden in Titeln wie „One“, „Future“ oder
„A long time“ sehr private Empfindungen verarbeitet hatten. Es gelang Ursula
Pompernigg auf fesselnde, sehr persönliche Art diese Gefühle sowohl inhaltlich
als auch musikalisch zu vermitteln.
Eindrucksvoll war die sehr spontane und
menschlich nahe Weise des Vortrags, der auch schwungvolle jazzige Elemente
enthielt. Dementsprechende wurde die Leistung von Ursula Pompernigg und
Patricia Breitbarth mit Applaus des Publikums gewürdigt. Sie ließen sich nicht
lange bitte und gaben noch einige Zugaben.

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