Heiter und
Nachdenklich
Dichterlesung bot buntes Programm
Neun Vertreter der dichtenden Zunft trafen sich am Freitag im
Mitterfeldner Pfarrsaal ein und trugen einem gespannten Publikum ihre Werke vor. Der
Kulturverein der Gemeinde Ainring hatte zu der Dichterlesung mit einheimischen Poeten ins
Pfarrzentrum geladen. Zunächst begrüßte Vorsitzende Gabriele Noreisch die zahlreich
erschienenen Gäste, darunter auch den Hausherrn, Dekan Anton Parzinger, Pfarrer
Holm–e-lin und zweiten Bürgermeister Hans Poschner. Walter Soraruf der Organisator
des Vortragsabends bedankte sich auf seine Weise mit einigen Versen für’s Kommen und
stellte seine Dichterkollegen kurz vor. Für die musikalische Umrahmung sorgte die
Lohmeier Stubenmusik mit Hackbrett, Gitarre, Harfe und Zither. Ein gemütlicher und lockerer Abend sollte es werden und so lud er
seine Zuhörer zum durchatmen und zurücklehnen ein. Doch blieb kaum Zeit sich viel
auszuruhen, denn bereits bei einer kurzen Ortsbeschreibung Ainrings und einem Abriß aus
der Heimatgeschichte in Reimform, wurden die Lachmuskeln kräftig strapaziert. Auch der
"Bürokratismus" bekam in Walter Sorarufs Vortrag sein Fett weg. Ebenso griff er
Thematiken wie Tierschutz oder Alltägliches wie das Gespräch zweier Hausfrauen über
Gott und die Welt in seinen pointierten Versen auf. Jedoch zeigte sich der Dichter auch
von seiner nachdenklichen Seite, beschrieb "Die letzte Rose", die vor dem
herannahenden Winter noch einmal ihre Pracht zeigt und fand treffende Worte für unseren
Heimatdichter, den "Wiesbacher Franzl".
Hilde Dusch aus Ainring trug ein Hochzeitsgedicht vor, in dem sie das
Brautpaar an seine ehelichen Pflichten erinnerte. Auch nahm sie Anstoß am oft mangelnden
Anstand in unserer schnellebigen Zeit und meinte: "Das Freundlichsein ... is wohl a
ganz a große Zier‘". Mit einfachen aber eindringlichen Worten erzählte sie die
Geschichte einer jungen Kellnerin, die sich bei einer Wette zum Diebstahl eines
Grabkreuzes hinreißen ließ. So manchem im Saal lief ein kalter Schauer den Rücken
herunter als sie berichtete, was sich vor langer Zeit bei Nacht und Nebel auf einem
Friedhof abgespielt haben soll. Einmal mehr wurde hier deutlich, wie sehr sich die
Mundartdichtung dazu eignet, den Zuhörern in ihrer Alltagssprache ohne große
Abstraktionen etwas nahezubringen. Es bedurfte nur einiger klarer Worte, um das Publikum
in den Bann der Erzählung zu ziehen.
Als eine Poetin mit "recht viel Seele und Herz", deren
Gedichte zum Nachdenken und Mitdenken anregen, stellte Walter Soraruf Frau Irmtraud Mader
vor. Still und einfühlsam wußte sie von einem "Novembermorgen" zu sprechen und
verzauberte die Zuhörer mit ihrer "Traumzeit". In den vorgetragenen Werken
schien sie besondere Stimmungen wie die der "Abenddämmerung" förmlich
einzufangen oder ließ ihre "Gedanken" wie Vogelschwärme ziehen. Zart und
lieblich mutete das Liebesgedichte "Mein Schmetterling" von Ursula Huber an,
welches Irmtraud Mader vortrug, da die Autorin selbst nicht die Zeit dazu gefunden hatte.
"Ich komme aus Westfahlenland, damit es jeder weiß. Es macht zwar
nichts woher man kommt, jedoch ich bin ein Preuß‘". Eher heitere Töne schlug
Heinz – Dieter Engel an, der sich schon zu Beginn seines Vortrages auf lustige Weise
zu seinen Wurzeln bekannte. Mit viel Humor skizzierte er beinahe alltägliche
Begebenheiten im "Stehcafé" oder in der Eisdiele. Der Verschiedenheit der
menschlichen Charaktere, die er genau zu beobachten wußte, aber auch der Notwendigkeit,
einfach die Seele baumeln zu lassen verlieh er in seinen Versen Ausdruck. Mit seinem
Gedicht vom "Manager" wandte sich Heinz –Dieter Engel sozialkritisch gegen
jenen oftmals großkotzigen, kaltschnäuzigen Menschenschlag, der gewissenlos und in
rücksichtslosem Umgang mit Geld und dem Schicksal anderer nur dem eigenen Erfolg
hinterherhetzt.
Viele Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend verbindet Antonie
Fröschl mit ihren frei vorgetragenen Gedichten. Bilder längst vergangener Tage kamen
auf, als sie mit Hingabe vom Schicksal eines gefallenen Soldaten berichtete. Martina
Leuthaler hatte wohl die kürzeste Anfahrt von allen, so meinte Walter Soraruf. Den
meisten besser bekannt als langjährige Haushälterin von Dekan Anton Parzinger, hatte sie
Gelegenheit den Aufbau des Pfarrzentrums von den Anfängen bis in die Gegenwart über 20
Jahre zu verfolgen und in ihren Reimen festzuhalten. So konnte sie von den Spekulationen
vieler Bürger bei Baubeginn, der Einweihungsfeier sowie dem Zusammenspiel der
verschiedenen Gruppen, die hier seither ein Zuhause gefunden haben, zu berichten. Auch
"Die Glocken" der Gemeinde mit all ihren Eigenarten, wie sie das Leben der
Menschen seit langem in Freud und Leid begleiten beschrieb sie in ihren Versen.
Der nächste "Lyriker und Gedichteschmied" in der Runde war
Josef Hager. Als Journalist und Fotograf hat er wohl über viele Jahre die Fähigkeit
entwickelt, genau zu beobachten und Dinge von verschiedenen Seiten zu beleuchten, was in
seinen vorgetragenen Werken deutlich zum Ausdruck kam. In seiner Schilderung vom
Salzburger Zwergerlgarten ließ er die Steinfiguren mit ihren typischen Charakterzügen
vor dem geistigen Auge zum Leben erwachen. Eine wichtige Rolle in seinen Gedichten spielte
das heimische Brauchtum, von Allerheiligen bis zur "Schneuzerzeit" im Ruperigau
und im Salzburger Land. Einen Ausblick auf die Launen der kommenden Jahreszeit bot er in
seinem "Waldwinter". Einerseits still und schneebedeckt, andererseits rauh mit
eisigen Stürmen, in denen man gerne "Auf der Ofenbank" in der gemütlichen
Stube bleibt. "Hier ruhet Dr. Grimm – und alle die er behandelte neben
ihm". Jedoch auch mit solchen erdichteten Grabinschriften brachte er das Publikum zum
Schmunzeln.
Alles mit Humor gesehen: so könnte man die Gedichte von Etti Aichhorn
beschreiben. Sei es nun das leidige Älterwerden oder die märchenhafte Geschichte vom
"Wurzelsepp", der aus Übermut seinen freien Wunsch bei einer guten Fee
verspielt – für alles fand die Dichterin einen passenden Scherz. Auch der Bettler,
der bei seinen Almosen wählerisch wird, da er viel Brot aber kaum einen Schnaps bekommt
war eine ihrer Witzfiguren. Vom "Lauf der Zeit" und einer neu gefundenen Heimat
handelten die Werke, von Frau Jakobetz aus Laufen, die Etti Aichhorn vortrug.
Lyrik für Kinder schreibt Erika Arrenberg. Die Dichterin, die selbst
Oma ist, weiß von dem Verlangen der Kinder nach netten Geschichten wie von der Spinne
Elfriede, die neue Schuhe möchte und verpackt diese in ihre Verse. Die handeln dann auch
von den Schlümpfen, der Diddl – Maus oder dem bunten Treiben und den Spielen der
Nachbarskinder. Selbst den Schulanfang, wenn "der Ernst des Lebens" beginnt, mit
all den neuen Eindrücken und Erfahrungen bringt sie in ihre Reime ein. Auch von
Weltbewegendem war zu hören: von der Sonnenfinsternis und der entstandenen Euphorie, die
allzu oft enttäuscht wurde, denn "Wolkenschieben geht noch nicht".
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