Besuch im Bergbaumuseum Achtal
Bei ihrem Besuch im Bergbaumuseum Achtal informierte sich eine Gruppe des Kulturvereins
Ainring über die Geschichte der heimischen Montanindustrie. Durch die Austellungsräume
im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Eisengewerkschaft Achtal führte Sepp Winkler. Er
selbst hat durch viel Engagement und die Unterstützung eines Fördervereins das Museum
eingerichtet und somit wesentlich zur Erhaltung eines Stücks Heimatgeschichte
beigetragen. Anschaulich berichtete er über die Entwicklung des Bergbaus und der
Eisenverarbeitung am Teisenberg und Kressenberg.
Vermutlich förderten in unserer Gegend bereits die Römer Eisenerz im Tagebau.
Gesichert ist der Abbau des Metalls jedoch erst im 12. Jahrhundert nachzuweisen. Nachdem
959 n.Chr. die salzburgisch – bayerische Grenze direkt durch die Lagerstätten
gezogen wurde, gaben diese in der folgenden Zeit immer wieder Anlass zu Streitigkeiten
zwischen den Nachbarstaaten. Auch heute noch wird die damals herrschende Rivalität um das
begehrte Metall deutlich: Die Schächte auf ehemals salzburgischem Gebiet tragen alle
Namen von Heiligen während die Stollen auf der einst bayerischen Seite nach Herzögen und
Königen benannt sind.
Eindrucksvoll wird im Museum auch dargestellt, wie hart die Arbeit der Bergleute unter
Tage war. Aus bis zu 70 Meter tiefen Schächten musste das erzhaltige Gestein nach oben
geschaffen werden. Bis 1915 geschah dies in reiner Handarbeit ohne Einsatz von Maschinen.
Schutzmaßnahmen, wie sie heute üblich sind, waren damals gänzlich unbekannt, warum es
auch immer wieder zu schweren Unfällen kam. Geringer Lohn und ungenügende soziale
Absicherung erschwerten den Alltag.
Eine große Anzahl von Ausstellungsstücken belegt die Weiterverarbeitung des
geförderten Erzes. Zunächst wurde in einem Hochofen Roheisen gewonnen. Dies wurde zum
Teil in die Annahütte Hammerau und andere Werke geliefert. Die
Werkstätten im Achtal selbst hingegen sind vielmehr bekannt für die Herstellung
gußeisener Waren. Neben Haushaltsgegenständen, Werkzeugen, Öfen und Gewichten wurden
auch viele Sakralgegenstände gefertigt. Weit bekannt sind auch die Achtaler Böller. Bis
nach Böhmen sollen die Waren aus unserer Heimatregion geliefert worden sein. Selbst die
Schlacke, ein Nebenprodukt der Eisengewinnung, wurde von den cleveren Unternehmern
vermarktet. Als Baumaterial für Bauernhäuser war sie im Rupertigau und Flachgau
besonders beliebt.
Interessant für die Gäste aus Ainring war auch die direkte
Verbindung zu ihrer Heimatgemeinde. Bis ins 19. Jahrhundert war die Holzkohle wichtigster
Energielieferant für die Eisengewinnung. Da diese in einem langwierigen und aufwendigen
Prozess hergestellt werden musste, entdeckte man bald die Vorzüge des Torfs als
Brennmaterial. Dies wurde in den umliegenden Mooren, und so auch in Ainring abgebaut.
Trotz des florierenden Geschäfts mit Gußeisen, war für den Bergbau im Achtal Anfang
des Jahrhunderts die letzte Stunde gekommen. Nach einem vorübergehenden Aufschwung
während des ersten Weltkrieges, als großer Bedarf an Waffen und Munition herrschte,
mussten die Stollen und das Werk 1925 endgültig schließen. Gerade in den Zeiten der
höchsten Inflation war die Entlassung der vielen Bergleute eine soziale Katastrophe.
Viele Arbeiter mussten abwandern. Auch ein letzter Versuch, das Werk zu retten,
scheiterte. Mitte der Fünfziger Jahre stellte man bei Versuchsbohrungen fest, dass noch
etwa 30 Millionen Tonnen Erz unter dem Berg lagern. Die geringe Eisenkonzentration, die
ungünstige Lage der Flötze und die wachsende Konkurrenz aus dem Ausland machten einen
weiteren Abbau jedoch unrentabel.
Zuletzt berichtete Herr Winkler noch von Gesprächen mit ehemaligen Bergleuten und
anderen Zeitzeugen, wobei die Teilnehmer der Führung einige interessante und
eindrucksvolle Details erfuhren. Bis nächstes Jahr soll die Ausstellungsfläche des
Bergbaumuseums im alten Verwaltungsgebäude der Karolinenhütte noch erweitert werden.
Auf diesen Seiten erhalten Sie weitere
Informationen zum Bergbau
im Achtal und zum Bergbaumuseum
im Achtal.
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