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Ein Bild des Dichters Franz Wisbacher

Franz Wisbacher

Der Ainringer Einsiedlerpoet
(1849 - 1912)

Großaufnahme
Auszüge aus seinen Werken

 

          Das kleinste Lied, mit Herzblut war's geschrieben,
Und dennoch ist, was immer ich gedichtet,
Verkannt wie ich und ganz vergessen blieben!

Diese bitteren Worte des Heimatdichters Franz Wisbacher sind gut 75 Jahre nach seinem Tode weitgehend Wirklichkeit geworden. An Wisbacher erinnert noch sein Grab im Ainringer Friedhof, weiter eine bescheidene Gedenktafel, die 1920 auf dem Weg zum Ulrichshögl ganz in der Nähe seines Elternhauses angebracht wurde, und die Franz-Wisbacher-Straße in Feldkirchen.

Heimatdichter nennen wir ihn, weil er hier geboren ist und hier gelebt hat, und weil ihm seine schöne Heimat die Kraft zu seinem dichterischen, vor allem lyrischen Schaffen gegeben hat. Doch ein wichtiges Merkmal eines Heimatdichters fehlt ihm völlig, die Sprache seiner Heimat. Wisbacher hat nie ein Mundartgedicht geschrieben. Für ihn, den Lyriker, war die bäuerliche Sprache der Ainringer zu grob und ungeschlacht. Die damalige Zeit hatte nicht das Gespür für die Köstlichkeiten, die eine Mundart ausdrücken kann. Wenn wir z. B. ein altes Hirtenspiel in altbayerischer Mundart hören, dann fällt uns auf, daß der Verfasser die Hirten plötzlich hochdeutsch reden läßt, wenn das Geheimnis der heiligen Nacht geschildert wird, gleichsam als schämte er sich, vor Gott in der gewöhnlichen bäuerlichen Sprache zu reden. Wir haben heute ein anderes Verständnis zur Mundart. Wir wissen um die Kraft, Bildhaftigkeit, Innigkeit und Zartheit unserer eigentlichen Muttersprache. Doch dem Heimatdichter Wisbacher fehlte noch die Wertschätzung der Heimatsprache.

Franz Wisbacher wurde am 29. Januar 1849 im Schusterhäusl oberhalb von Ainring geboren. Seine Eltern besaßen ein kleines Anwesen- der Vater arbeitete noch als Zimmermann. Von seiner Mutter, an der er sehr hing, hatte er wohl seine Freude am Singen und Dichten ererbt. In bescheidenen Verhältnissen wuchs er auf, aber es war eine glückliche Kindheit in seiner Heimat, die er so sehr liebte.

          Ein Paradies von Heimat hat
Der Himmel mir gegeben,
So schön, daß ich nur Eines bat:
Laß ewig mich da leben!

Der talentierte Bub mit seiner großen Liebe zur Musik durfte - obwohl es für die Eltern ein schweres Opfer war - das Königliche Lehrerseminar in Freising besuchen und schloß dort seine Lehrerausbildung mit gutem Erfolg ab. Bereitete ihm zuerst sein Wirken in der Schule, vor allem die musische Erziehung der Kinder viel Freude, so drückte ihn bald die Last dieses Berufes und der häufige Wechsel des Schulortes. Selbst in Reichenhall blieb er nur ein Jahr., allerdings aus persönlichen Gründen. Hier war er glücklich, konnte er sich doch seiner geliebten Musik mit Erfolg widmen.

Eine Liebesbeziehung besonderer Art ließ ihn Reichenhall verlassen. Er hatte vorher in seinen jungen Jahren manche Mädchenliebe erfahren, - freilich endeten fast alle unglücklich, ja tragisch. In vielen Gedichten hat er seiner tiefen Empfindung Ausdruck verliehen:

          Mein Herz ist so scheu und zart,
Ich bitte dich, o sei nicht hart!
Wenn's leise pocht an deines an,
Es stirbt, wird ihm nicht aufgetan.
0 laß es ein und halt es warm,
Und schau's nur an, wie bloß und arm!

In Reichenhall lernte er 1876 durch sein musikalisches Wirken eine rumänische Fürstin kennen. Es war wohl die Sehnsucht nach der Ferne, Liebe und das Versprechen der Fürstin, ihm dort den Posten eines fürstlichen Hofmeisters zu verschaffen, die ihn 1876 trotz der Warnungen der Mutter Abschied nehmen ließen. Doch sein Aufenthalt im fremden Land war eine große Enttäuschung. Unendliches Heimweh erfaßte ihn. Er dachte an die warnenden Worte der Mutter:

         

Mich lockte einst so süßer Mund,
Du schütteltest das Haupt;
Dein Warnen schien mir ohne Grund
0 hätt' ich dir geglaubt!
Solch schwankend Rohr, es neigt sich bald
Du stehst wie treuer Tannenwald!

Im Oktober 1876 floh er. Mittellos und unter großen Entbehrungen zog er donauaufwärts in sein Elternhaus, krank an Leib und Seele.

Vier Jahre mühte er sich noch, als Lehrer tätig zu sein. Eine schwere Krankheit zwang ihn, seinen Beruf aufzugeben. Ohne Pensionsberechtigung war er ganz auf die Fürsorge und Pflege seiner alten Eltern, vor allem der Mutter, angewiesen.

          Ich sage dir, lieb Mütterlein,
geh du mir ja nicht fort!
Du mußt noch länger bei mir sein
mit liebem Blick und Wort!

Als seine Mutter 1885 und sein Vater 1893 starben, war seine Lage fast unerträglich geworden. Trost fand er in seinem dichterischen Schaffen. Seine Dichterfreunde, vor allem Emanuel Geibel, zollten ihm Anerkennung und unterstützten ihn auch finanziell. Als seine Gönner allmählich starben., geriet er wieder fast völlig in Vergessenheit. Immer mehr schloß er sich von der Umwelt ab. Auch mit den Ainringer Bauern hatte er kaum noch Verbindung. Er fand aus Menschenscheu und Enttäuschung auch nicht mehr den Weg in die nahe Kirche, was ihm die Leute besonders übelnahmen. Dabei war er ein tiefreligiöser Mensch, wie viele seiner Gedichte beweisen:

          Dank aus vollem Herzen bringe,
Ich dir, Herr des Lebens, dar
Was ich jauchze, bete, singe,
Dir nur gilt es ganz und gar.
Dir zu einem Opferherde
schmücke sich die Seele mein;
Wunderschön ist Deine Erde,
Und wie schön wirst Du erst sein!

Gerne flüchtete er sich in die Stille des Waldes. Dort fand er Ruhe für seine dichterische Arbeit.

          In grüner Wälder Mitten,
Hab ich den Tag vollbracht,
Der Abend kommt geschritten
Und hinter ihm die Nacht.
Die alten Tannen greifen
Hinauf ins Abendgold,
Und blasse Wolkenstreifen
Verzieh'n im Westen hold.

Die wirtschaftliche Lage Wisbachers wurde immer schlechter. Sein väterliches Erbe, Haus und Grund waren völlig verschuldet. In dieser höchsten Not kam ihm der Salzburger Verlagsbuchhändler und Schriftsteller Heinrich Dieter zu Hilfe. Er rief die deutsche Schriftstellerwelt zu einer Spendensammlung auf und gab eine Neuauflage der Gedichte Wisbachers auf seine Kosten heraus. Die Schulden konnten getilgt und sein Gütchen' gerettet werden. Besonders war es auch die norddeutsche Lehrerschaft, die den verarmten Dichter unterstützte.

So hart und voller Niederlagen das Leben Wisbachers war, so bitter war auch sein Tod. Als er am 17. Juli 1912 nach einem Besuch in Salzburg in Hammerau vom Zug ausstieg und sich von einem Freund verabschiedete, wurde er von einem Wagen erfaßt und überfahren. Das tragische Leben des Heimatdichters war ausgelöscht.

Auf dem Ainringer Friedhof fand er an der Seite seiner Eltern seine letzte Ruhestätte. Es war eine eindrucksvolle Trauerfeier. Viele seiner Dichterfreunde erwiesen ihm die letzte Ehre. Auch die Ainringer nahmen ihren toten Einsiedlerpoeten wieder in ihrer Mitte auf.

Franz Wisbacher hat in tiefer Resignation einmal von seinem Schaffen geschrieben:

          "Wem ward wie mir jedwedes Glück zernichtet?
Es hätte zur Verzweiflung mich getrieben;
Wär Hoffnung nicht - die Nachwelt ist's, die richtet."

Heute, 75 Jahre nach seinem Tode, hat die Nachwelt gerichtet und ihn weitgehend vergessen. Sicher gab es immer wieder Bemühungen, vor allem der Ainringer Schulen, das Andenken an Wisbacher und sein dichterisches Werk lebendig zu erhalten. Hier sei besonders der verstorbene Rektor Georg Lapper von Feldkirchen genannt. 1972 gab Walter Soraruf zum 60. Todestag des Heimatdichters einen Gedichtband mit einer Lebensbeschreibung heraus.

Die ältere Generation kennt wohl noch von der Schule her ein paar Gedichte des Einsiedlerpoeten, die jungen Menschen aber - die Struktur der Gemeinde Ainring hat sich ja inzwischen völlig verändert - wissen kaum noch von ihm.

Sicher, manche seiner Gedichte sind uns heute wegen ihrer Sprache voll Pathos und Übertreibungen nur schwer zugänglich. Aber es wäre eine dankbare Aufgabe, vor allem der Ainringer Schulen, wenigstens noch einige seiner Gedichte, die sprachlich und inhaltlich wegen ihrer Heimatverbundenheit uns auch heute noch ansprechen können, der jungen Generation nahezubringen. Wir sollen nicht nur den Namen des Heimatdichters kennen, sondern uns auch ein bißchen um sein dichterisches Schaffen bemühen.

'Non omnis moriar' (nicht ganz werde ich sterben), sagte der römische Dichter Horaz von sich. Er meinte, als Dichter werde er weiterleben. Möge dieses Wort auch ein wenig für unseren Heimatdichter Franz Wisbacher gelten.


Verfasser des Artikels ist der ehemalige Rektor der früheren Volksschule Ainring und später der Hauptschule Mitterfelden, Florian Thusbaß (*27.01.1914, +26.12.1995).


"Wer Ihn erleben durfte, der weiß, was Bildung bedeutet."


Recherchen zum Literarischen Schaffen Franz Wisbachers haben ergeben, daß sein Gedichtband insgesamt mindestens viermal aufgelegt wurde. Die erste Auflage mit 96 Seiten erschien im Jahre 1882 in München und war trotz der nicht unbedeutenden Größe der Auflage bereits nach 3 Monaten vergriffen. Sie ist gar nicht erst in den Buchhandel gekommen und findet sich deswegen auch in keinem Bücherkatalog (Auszug aus dem Vorwort zur 2. Auflage). KArl Gerok schrieb damals über das Büchlein: "Ein schmales Bändchen, das aber an poetischem Wert ganze Bibliotheken aufwiege."

Der Altmeister der deutschen Literatur, Emanuel Geibel, dem Wisbacher seine Gedichte in Abschrift zur Beurteilung gesandt hatte schrieb an ihn im Mai 1880: "Seit vielen, vielen Jahren ist mir ist mir keine solche Freude mehr geworden, wie durch Ihre Gedichte, in denen echt lyrisches Blut pulsiert. Ein eigentümlich frisches und kräftiges Talent ist mir in Ihren Liedern entgegengetreten, Sie sind ein Dichter von Gottes Gnaden!"

Im Jahre 1902 ist dann inm Verlag von Heinrich Dieter, k. u. k. Hofverlagsbuchhändler in Salzburg, die vierte Auflage des Gedichtbandes entstanden, nachdem -soweit bekannt- aus den sächsichen Bundesländern über 700 Bestellungen für das Gedichtbändchen nachweislich vorlagen.

Auszug aus dem literarischen Schaffen von Franz Wisbacher:       Bildmaterial (Bild anklicken für größeres Format)
Schöne Heimat
Frühlingslied
Frühlingswunsch
Lerche
Zur ewigen Heimat
Ostern
Reich und Arm
Thumsee
   
Denkmal an der Straße nach Ulrichshögl
 
Wisbachers Wohnhaus 1997
 

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