Flugplatz Ainring - das heutige
Mitterfelden
von Herrn Fredric Müller-Romminger
Vorgeschichte
Das Flugwesen im Berchtesgadener - Land begann 1910 mit Flugvorführungen in Bad
Kirchberg bei Bad Reichenhall!
Im 1.Weltkrieg melden sich viele mutige junge Männer unseres Landkreises zu den
Königlich-Bayerischen Fliegertruppen. Sylvester 1924 kam der allseits bekannte Emst UDET ins Berchtesgadener Land und hob am 2.
Januar 1925 den späteren Flughafen Mayerhof in Bad Reichenhall aus der Taufe! Am 1.Mai 1925 wurde der Flugbetrieb
durch den Süddeutschen Aero-Lloyd (ab 1926 Süddeutsche Luft Hansa) von Bad Reichenhall nach München und somit
in alle Welt eröffnet.
Zur Ersten Fliegerlandung in Ainring kam es, als auf dem Flüge nach Salzburg ein
Doppeldecker und ein Eindecker aus England den dortigen Flugplatz nicht fanden und so unversehrt am 29August 1930 auf den Feldern
zwischen Ainring und Feldkirchen in unmittelbarer Nähe der Starkstromleitungen landeten!
Flugplatz für die Reichsregierung am Obersalzberg
gesucht
Adolf Hittler (A.H.) ist zum Reichskanzler ernannt worden und bereits am 26.Juni 1933
beginnt mit dem Kauf des Anwesens "Landhaus Wachenfels" auf dem Obersalzberg der
systematische Ankauf (Enteignungen) von Grundstücken und es entstand dort das Sperrgebiet
als Sommersitz von A.H. und seiner Reichsregierung. Der Ausbau der Reichsautobahn München
- Salzburg, mit dem vorläufigen Ende an der Reichsgrenze wird nun rasch vorangetrieben.
Frühzeitig erkannte A. Hitler den Wert des Flugzeuges als Transportmittel und bereits im
April 1933 begann in seinem Auftrage die Suche nach einem geeigneten
Flugfeld für die Reichsregierung in Berchtesgaden.
Eine erste Erkundung fand am 10.Juli in Bad Reichenhall am Flughafen Mayerhof statt und
bereits am 18.Juli wird die erste erfolgreiche Landung einer Ju52 dort durchgeführt, die
aber nicht überzeugen konnte, so daß man weitersuchte und am 24.Juli im benachbarten
Ausland auf dem Flughafen Salzburg Maxglan landete. Beide Flugplätze wurden aber
abgelehnt und so findet Adolf Hitler bei einem Flug über dem Berchtesgadener Land
persönlich das freie Feld im Gemeindebereich von Ainring. Am 1.August 1933 findet die
erste Begehung des in Ainring in Betracht kommenden Geländes statt und am 16.August
ordnet A.H. persönlich an:
"Ich habe mich entschlossen, das in anliegender Karte (1:5000) eingezeichnete
Gelände - 3km SW Freilassing, als
Reichseigenen Flugplatz zu erwerben und unverzüglich für Sportzwecke auszubauen."
Flugkapitän Harry Rother führte im Auftrage der Deutschen Luft Hansa - Bereichsleitung
SÜD, am 15. September die erste Versuchslandung am inzwischen eingeebneten Bäderplatz
REICHENRALL - BERCHTESGADEN erfolgreich durch. Ab dem 7.Oktober führt nun der Platz die
neue (Tarn-) Bezeichnung Sportflugplatz. Die offizielle Einweihung des Flughafens soll am
21.Januar 1934 stattfinden. Die Hebefeier (Richtfest) am Verkehrsflugplatz REICHENHALL -
BERCHTESDEN ist für den 20.April angekündigt.
Auf besonderen Wunsch des Herrn Reichsministers für Luftfahrt, General H. Goering, wird
der Deutschlandflug vom 21. bis zum 24.Juni 1934 bis in die Südostecke des Vaterlandes,
in die Wahlheimat des Führers, zum Flughafen REICHENIIALL - BERCHTESGADEN ausgedehnt.
Alle 70 teilnehmenden Flugzeuge führten in Ainring eine Zwischenlandung durch, tankten
auf und flogen dann im Verbandsflug über Bad Reichenhall - Hallthurm nach Berchtesgaden
zur Wendemarke am Obersalzberg (dort stand der Reichskanzler am Fenster und beobachtete
die Flieger), weiter über die Wendemarke am Predigtstuhl zum Landeplatz in Prien und von
dort gings über München und Bamberg weiter nach Berlin. Das erste Mal fliegt 1-Etler am
24.August 1934 von Ainring nach Hamburg und am 28.August fährt der Chefpilot der
Regierungsstaffel, Flugkapitän Baur die erste Landung mit Hitler in Ainring durch. Vor
der Weiterfahrt zum Obersalzberg besichtigen sie noch kurz den Rohbau der Flugleitung.
Goering fliegt am 31.August 1934 zum erstenmal von Ainring nach Berlin. Sein Flugzeug
steht von nun an ständig einsatzbereit vor der Flughalle.
Am 6./7.Oktober 1934 findet am Regierungsflughafen REICHENRALL - BERCHTESGADEN die
Eröffnung mit einem Tag der offenen Tür statt. Das heute noch genutzte Gästehaus des
Flughafens für die Kurorte Bad Reichenhall und Berchtesgaden in Ainring ist jetzt
fertiggestellt. Es ist ein kleiner, aber schmuckes Flugbahnhof geworden, der seine
Aufgabe, dem modernsten Verkehrsmittel zu dienen, nicht verleugnet und dabei doch ganz auf
dem Boden unserer ländlichheimischen, in ihren Wurzeln
rein bäuerlichen Kultur steht.
Der Bau und die ganze Einrichtung der Räume ist von Handwerkern des Rupertigaues
hergestellt worden und bildet in seiner Art eine kleine örtliche Gewerbeschau, die von
dem Können und dem Fleiß unserer heimischen Handwerker Zeugnis ablegt.
Der 1.Oktober 1934 wird als Termin für die Fertigstellung des Flughafens festgelegt
und am 7,0k-tober fliegt der Reichskanzler
A.H. von Ainring nach Berlin. Staatssekretär vom Reichsluftfahrministerium in Berlin,
Generalleutnant der Luftwaffe MILCH führt am 9.April 1935 mit 12 Herren in Ainring die
Flugplatzabnahme durch. Am 22.August 1939, nur ein paar Tage vor
Ausbruch des 2.Weltkrieges, fliegt der Reichsminister des Äußeren, Joachim von
Ribbentrop mit der Fw200 "GRENZMARK" von Ainring über Berlin zum berühmten
Moskauflug zur Unterzeichnung der Nichtangriffsverträge. Der Regierunsflughafen
REICHENHALL-BERCHTESGADEN in Ainring wird Luftwaffen - Fliegerhorst mit diversen
Kommandos. In dieser Zeit wird beim Flugplatz in Prien mit Heinz Rühmann als
Hauptdarsteller der Film "Qual der Bruchpilot" gedreht und so kommt er des
öfteren auch nach Ainring.
Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug - ERNST UDET
e.V.
Im Juni 1940 wird die "DFS" (Die 1924 gegründete Rhön-Rossitten-Gesellschaft
(RRG) wird 1933/34 in das Deutsche
Forschungsinstitut für Segelflug (DFS) unter ihrem Leiter, dem Professor Dr.phil. Dr
-Ing. eh. Walter Georgii (1888-1968) umbenannt) kriegsbedingt über Braunschweig nach
Ainring ausgelagert und 1942 nach Ernst UDET's Freitod (17.11.1941) in Gedenken an ihren
Förderer mit dem Zusatz "ERNST UDET" umbenannt. Mit der Auslagerung kam für
damalige Zeiten ein "HIGH-TECH - Betrieb" in unsere Heimat, dessen
Grundlagenforschungen und deren Ergebnisse sich bis heute noch fast
tagtäglich im Luftfahrtwesen in der ganzen Welt beobachten läßt!
Am 29.August 1940 besichtigt A.H. zum ersten Mal die DFS in Ainring 3 es soll auch
einer seiner letzten Besuche in Ainring gewesen sein!
Das Institut für Aerodynamik und Flugmechanik unter Ruden führt u.a. Windkanalmessungen,
Flugmessungen, Fallschirme für Lastenabwurf und Testflüge mit dem antriebslosen
Düsenjäger-Prototypen He280durch; das Institut für Physik der Atmosphäre unter aufm
Kampe führt Vereisungsforschungen und Messungen der Luftelektrizität durch; die Abt.
Sondertriebwerke mit Labor unter Sänger erprobt Lorin-Strahltriebwerk und führt
Strahlrohruntersuchungen durch, das Institut für Flugzeugbau unter Jacobs entwickelt
Schleppverbindungen, Meßflugzeuge, u.a. das Fliegendes Observatorium, den
Höhenaufklärer DFS 228 und ist maßgeblich an der Vorentwicklung des Raketenjägers Me
163 beteiligt, das Institut für Flugversuche unter Fritz Stamer fährt
die Erprobung neuer Flugzeuge, Bremslandeverfahren, Versuche mit dem Lastensegler DFS 230,
dem Personenabwurfbehälter und den heute noch von der NASA in den USA zum Transport des
Raumgleiters verwendeten Huckepack - MiSTEL-Schlepp durch; die Abteilung für Hochfrequenz
unter Fölsche entwickelt das Blindlandeverfahren mit ersten Fernsehgeräten durch und das
Institut für Flugausrüstung unter Fischel entwickelt das Femseh-Lenkverfahren, den
Autopiloten und ist an den Erprobungsflüge der Wunderwaffe NATTER - einen senkrecht
startenden Raketenjäger beteiligt.
Der Zusammenbruch - Ainring ein alliiertes
Terrorziel?
Bereits im Februar 1944 sind die Gebiete um den Obersalzberg, Salzburg, Bad
Reichenhall, Freilassing und der Flugplatz Ainring von den Aufklärungsflugzeugen der RAF
und USAAF gründlich ausgespäht und Pläne für die eventuelle Bombardierung angefertigt
worden. So wurde unter der Nr. GU-4245 ein ausführlich Zielanflugsplan für den Flugplatz
Ainring erstellt. Am 9.April 1945 wurde das letzte Aufklärungsfoto vom Flugplatz gemacht
und damit wurde bestätigt, daß Ainring kein kriegsentscheidender Fliegerhorst der
Luftwaffe ist, sondern ausschließlich von der DFS genutzt ist und somit unbeschadet in
die Hände der Alliierten fallen sollte! Ein einzelner Angriff eines Jagdflugzeuges wurde
am 16.April von der Ainringer Flak durch Abschuß des Fliegers erfolgreich abgewehrt.
Ab dem 21.April landen unermüdlich die guten alten Ju's aus Berlin kommend und
transportieren die Reste der Reichsregierung und der Führungsstäbe der Wehrmacht und
Luftwaffe ins Berchtesgadener Land. Auch viele Luftwaffenflugzeuge, die sich in die
"Alpenfestung" zurückzogen, landeten hier und in Salzburg.
Die erst vor ein paar Monaten in Mühldorf aufgestellte Transportstaffel 40 wird Anfang
April nach Ainring verlegt und dort mit Hubschraubern ausgestattet, bevor sie über Aigen
im Ennstal am 8.Mai 1945 hier wieder landen und die zwei Fa223-Großhubschrauber
unversehrt den amerikanischen Besatzern übergibt. Von hier aus wird dann ein Weltrekord
im Hubschrauber-Langstreckenflug bis an die französische Kanalküste und die erste
Kanalüberquerung eines Hubschraubers
durchgeführt.
Am Morgen des 3.Mai 1945 starten viele mit den nun herrenlos herumstehenden und zum
Teil noch flugfähigen Maschinen um dem herannahenden Feind und somit der drohenden
Gefangenschaft zu entgehen! Soldaten des JG 300, die erst vor ein paar Tagen den letzten
Einsatz von Ainring aus gegen die vorrückende US-Army flogen, sprengen ihre Flugzeuge und
setzten sich ab. Am 4.Mai 1945 morgens starten die letzten "Fieseler Storch" als
sich die 101th US-Kavalleriegruppe vor Perach teilte und eine Abteilung in Richtung zum
Flugplatz Ainring marschierte und diesen kampflos besetzt. Der ehemalige Flugplatz wird
nun in den folgenden Tagen Beutesammelplatz und der Zutritt ist Deutschen untersagt!
In der Barackensiedlung der DFS werden "ehemalige KZ'ler - Juden und DP's"
einquartiert und am 10.Dezember 1947 verläßt der letzte Insasse das sogenannte
"Judenlager", das nach Lager Landsberg verlegt wird. Im gleichen Jahr werden
Teile der ehemaligen Flugplatzanlagen von der Bayerischen Landesgrenzpolizei übernommen.
Ab 1953 führt hier die Bayerische Grenzpolizei erste Ausbildungslehrgänge durch und
die Bayerischen Polizeischule übemnmmt in Folge den Platz für Aus- und
Fortbildungslehrgänge ihrer Polizeibeamten, bis im Rahmen einer generellen Umgliederung
1975 die Polizeischule aufgelöst und nun nur noch für die Polizeifortbildung zuständig
als Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei (BPFI) bis heute das Areal des ehemaligen
Regierungsflugplatzes Reichenhall-Berchtesgaden benutzt.
Mitterfelden entsteht
Aus dem Flugplatz Ainring wird am 13.März 1951 nun der Ortsteil
"MITTERFELDEN" und bereits 1954 wird das Gelände freigegeben zur Bebauung. Am
5.September 1955 findet auf dem ehemaligen Flugfeld ein Versuchsflugbetrieb mit
Windenschlepp von Segelflugzeugen erfolgreich statt. Der daraufhin gestellte Antrag auf
Wiederzulassung als Segelfluggelände vom 30.September 1955 wird aber mit dem Schreiben
vom 26.Mai 1956 endgültig abgelehnt - der Flugplatz Ainring gilt nun amtlich als
aufgelassen.
Seit der Baugrundausschreibung vom 18.Oktober 1957 hat sich Mitterfelden, als der neue
Ortsteil von Ainring, stetig weiterentwickelt und heute zeugen nur noch die zwei alten
Gebäude (Führerbau und Wirtschaftsgebäude) und das alte Peilerhäuschen gegenüber dem
heutigen Ainringer-Schwimmbad von der Existenz des ehemals modernen Flugplatzes!
Aus dem umfangreichen privaten Luftfahrtarchiv von Herrn Müller-Romminger wurde im
März 1996 in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein der Gemeinde Ainring Ausstellung
durchgeführt. Für weitere Ausstellungen und eine ausführliche Dokumentation werden
immer noch Exponate - Dokumente - Fotos usw. als Leihgabe unter der Tel.Nr. 08651/64843
(abends) gesucht.
Quelle:
Archiv: F. Müller-Romminger
Fortsetzung: Entstehung und Entwicklung Mitterfeldens ab 1945 (Ende
des Flughafens Ainring)
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