Der Kulturverein lädt zur
Zeitreise ein
50 Jahre lebendige
Heimatgeschichte in
Mitterfelden - Ausstellung
eröffnet
MITTERFELDEN (hä) -
Betritt man derzeit den
Sitzungssaal des Ainringer
Rathauses, so fällt der Blick
sofort auf ein großes
Flugzeugmodell das von der
Decke hängt. Weiter hinten
stechen Bebauungspläne ins
Auge und hier und da erkennt
sich der Besucher auf alten
Schwarz-Weiß-Fotos wieder.
„Damals war ich auch dabei,
als in Mitterfelden alles
anfing“. Unschwer lässt sich
kombinieren, dass die lange
angekündigte Ausstellung über
die Entwicklung Mitterfeldens
vom alten Flughafen zur
größten Ortschaft Ainrings
endlich fertig ist. Und das
auch noch rechtzeitig zum 50
jährigen Gründungsjubiläum der
Siedlung. Über ein Jahr waren
die Mitarbeiter des
Kulturvereins Ainring Forscher
auf den Spuren der bewegten
Vergangenheit von Mitterfelden.
Mit zahlreichen Ehrengästen
fand am Freitag die feierliche
Eröffnung der Ausstellung im
Rathaussaal statt.
Es war ein langer Weg, bis im
Laufe eines halben
Jahrhunderts aus einem
ehemaligen Flugfeld das
heutige Mitterfelden wurde.
Viel Energie brauchten auch
die Mitglieder des
Kulturvereins, bis sie aus
einer wahren Flut von
Informationen und Materialien
die Ausstellung
zusammengestellt hatten, die
diesen Werdegang in vielen
Facetten nachzeichnet. Desto
mehr freute sich die
Vorsitzende des Vereins,
Gabriele Noreisch, als sie am
Freitag zahlreiche Ehrengästen
begrüßen und das fertige Werk
präsentieren konnte. „Ein
eigentlich nicht nennenswerter
Zeitabschnitt“ seien 50 Jahre
im historischen
Berchtesgadener Land, so
Noreisch. Doch habe sich der
Kulturverein entschlossen, mit
der Ausstellung doch ein sehr
lebendiges Stück
Heimatgeschichte zu
dokumentieren.
Schon immer war Mitterfelden
eine wahre Zuwanderersiedlung.
Kurz nach dem zweiten
Weltkrieg fanden Flüchtlinge
hier in den Barackensiedlungen
eine neue Bleibe, die für
viele zur Heimat wurde. Über
die Jahrzehnte kamen immer
neue Aussiedler mit ihren
Familien hierher und prägten
deutlich das gesellschaftliche
und kulturelle Leben.
Grundlage für die Ansiedlung
war die Schaffung von Bauland.
Den bürokratischen
„Leidensweg, der in 20 Jahren
die Verwaltungsmaschinerie
durchlaufen musste, damit das
Rollfeld des ehemaligen
Flugplatzes als
Siedlungsgebiet zur Verfügung
stand“, skizzierte Franz
Friedberger. Der ehemalige
Bürgermeister der Gemeinde und
einstige Kanzler der
Verwaltung der Münchner
Universität wohnt seit jeher
in Mitterfelden.
„Ich habe in den vergangenen
Tagen, während des Aufbaus,
mehrmals etwas gespäht und
konnte feststellen, dass alle
– fast mit Übereifer –
gearbeitet haben. Was die
wochenlange Arbeit gebracht
hat, kann sich wahrlich sehen
lassen“, wusste Bürgermeister
Waldhutter das Engagement der
Ausstellungsmacher zu würdigen
uns sprach allen Helfern
seinen Dank aus. Landrat Seidl
konnte sogar mit einigen
Kindheitserinnerungen an
Mitterfelden aufwarten.
Besondern hob er das starke
Zusammengehörigkeitsgefühl
seiner Bewohner hervor, die
jedoch stets offen waren für
Neues. Sein Dank galt nicht
nur dem Arbeitskreis der
Ausstellung, sondern auch
„allen, die mithelfen, dass
Integration stattfindet“ und
somit für ein friedliches und
konstruktives Miteinander
eintreten.
Nun gibt es im Rathaussaal
vieles zu bestaunen, einiges
über die eigene Heimat zu
lernen und zu entdecken, aber
auch viel Platz, in
Erinnerungen zu schwelgen.
Nicht selten kamen Besucher
ins Gespräch und tauschten
Erfahrungen aus. Die
Überschaubarkeit des
zeitlichen Rahmens und die
Unmittelbarkeit vieler
Ereignisse machen die
Ausstellung sehr lebendig.
Eine große Landkarte
illustriert die
Herkunftsländer vieler
Mitterfeldener. „Hier bekommt
das Wort Ureinwohner eine ganz
neue Bedeutung. Jeder kommt
woanders her, doch alle
gehören wir zusammen“,
bemerkte ein Besucher.
Anschaulich und übersichtlich
gliedert sich die Ausstellung
in verschiedene Schwerpunkte,
die alle Bereiche des Lebens
abdecken. Die Vorgeschichte
Mitterfeldens ist die des
ehemaligen „Reichsflughafens
Reichenhall Berchtesgaden“,
der dem Hitlerregime als
verkehrsgünstige Anbindung an
den Obersalzberg diente. Als
Spezialist für diese Zeit
stand dem Kulturverein
Frederic Müller-Romminger zur
Seite. „Als Sportflughafen
getarnt wurden in der hiesigen
‚Deutschen Forschungsanstalt
für Segelflug’ entscheidende
Entwicklungen vorangetrieben.
Das Mistel-Schlepp-Verfahren
etwa, das heute von der NASA
zum Transport des Space
Shuttles genutzt wird, wurde
hier zur Praxistauglichkeit
entwickelt. Auch modernste
Technologien wie unbemannte
ferngesteuerte Flugkörper sind
quasi Forschungsanwendungen
made in Ainring“, so
Müller-Romminger.
Besonders reizvoll dürfte die
Sammlung von Fotos, Berichten
und Dokumenten sein, die über
das gesellschaftliche Leben
seit der Ortsgründung
berichten. „Bei unserer Suche
nach Materialien konnten wir
auf große Unterstützung aus
der Bevölkerung zählen.“, so
Anton Kern, Gesamtleiter der
Ausstellung. Weitere
Schwerpunkte sind dem
kirchliche Leben, der
baulichen Entwicklung, dem
Vereins- und Gewerbewesen und
den Bildungseinrichtungen
gewidmet. Die Ausstellung
bringt vieles ans Tageslicht,
was sonst in Archiven oder
privaten Sammlungen
schlummert. Sie ist noch bis
14. Oktober zu den regulären
Öffnungszeiten des Rathauses
sowie an Samstagen von 14.00
bis 17.00 Uhr und sonntags von
11.00 bis 16.00 Uhr zu
besichtigen. Der Eintritt ist
frei. Die wichtigsten Daten
und die eindrucksvollsten
Dokumente fasst eine aufwendig
gestaltete Broschüre zusammen.
„Ich freue mich, dass so viele
unserer Einladung gefolgt sind
und dass Sie durch Ihre
Anwesenheit der Bedeutung
dieser Ausstellung den
entsprechenden Stellenwert
einräumen“, freute sich
Bürgermeister Waldhutter über
die zahlreichen Ehrengäste.
Darunter waren: Pfarrerin
Dorothe Stadler, Geistlicher
Rat Dekan Anton Parzinger, MdL
Georg Grabner, Landrat Martin
Seidl, Max Aicher, Franz Xaver
Werkstetter sowie zahlreiche
Gemeinderäte und
Vereinsvorstände.
Die Vorsitzende des
Kulturvereins, Gabriele
Noreisch, bedankte sich bei
allen Helfern, die zum
Gelingen der Ausstellung
beigetragen hatten. Allen
voran ihrem „Dreamteam“: Anton
Kern, der für die
Gesamtleitung verantwortlich
war, Frederic Müller-Romminger,
Elfriede Lorber und Walter
Soraruf sowie Benno Franke für
die technische Unterstützung,
Franz Xaver Werkstetter und
Franz Friedberger. Josef
Hager, der mit seinen Fotos
wesentlich zur Dokumentation
des Mitterfeldener Lebens in
den vergangenen Jahrzehnten
beigetragen hatte, wurde von
Landrat Seidl mit einem
Landkreiskrug geehrt.

Foto
Andreas Hänsch
Nachstehend einiige Boldimpressionen von der
Ausstellungseröffnung

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